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Interview CEO

Peter Rothwell, Kuoni wies für das Geschäftsjahr 2012 einen Reinverlust aus. Was hat zu diesem Ergebnis geführt?

Der Reinverlust ist auf einmalige Sonderaufwendungen im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus verlustbringenden europäischen Reisever­anstalteraktivitäten zurückzuführen. Diese Be­las­tungen beliefen sich 2012 auf CHF 48 Mio. Operativ betrachtet konnten wir das Betriebser­gebnis vor Amortisationen (EBITA) um fast 6% auf CHF 119.3 Mio. steigern. Dies ist das höchste Ergebnis der letzten vier Jahre.

Was waren 2012 Ihre grössten Herausforderungen?

Dazu zählten Kuonis anhaltender Veränderungsprozess, die weitere Integration von GTA, der allgemeine Margendruck in verschiedenen Ge­schäftsbereichen und auch die schwierigen externen wirtschaftlichen Bedingungen im Markt Frankreich. Wir hatten zudem entschieden, aus kleineren verlustbringenden Reiseveranstalteraktivitäten auszusteigen. Bis Ende 2012 ist uns dies in Spanien, den Niederlanden und in Russland, sowie Anfang März 2013 in Italien gelungen. 2013 werden wir den Ausstieg aus dem Reisever­anstaltergeschäft in Belgien und aus dem Onlinegeschäft von Octopustravel vollziehen. Alle diese Mass­nahmen werden sich künftig positiv auf unsere operativen Ergebnisse auswirken, da Verluste wegfallen.

Der Anteil des klassischen Reiseveranstaltergeschäfts am gesamten Nettoerlös ist mit dem Ausstieg aus kleineren europäischen Aktivitäten weiter gesunken. Lohnt es sich noch, in diese Geschäfts­felder zu investieren?

Ja, wir haben in Skandinavien mit der Marke Apollo eine starke Position und sind ein erfolgreicher Reiseveranstalter. Der Bereich Outbound Nordic zählt zu den wichtigen Ertragspfeilern der Kuoni-Gruppe. In Grossbritannien und der Schweiz betreiben wir ebenfalls ein profitables Geschäft. Mit dem Ausbau unseres eigenen Reisebüro-Netzwerkes in Grossbritannien be­gegneten wir dem strukturellen Wandel der Branche und steigerten unsere Direktverkäufe. 

Euro-Krise und die anhaltenden Umwälzungen im arabischen Raum sowie schwierige wirtschaftliche Bedingungen in Indien waren die auffälligsten Ereignisse in 2012 mit Auswirkungen auf die Geschäfte von Kuoni. Griechenland, Spanien, Ägypten sind wichtige Reisedestinationen. Fürchten Sie weitere Negativschlag­zeilen aus diesen Regionen?

Dank des Veränderungsprozesses der letzten Jahre mit einer heute starken Position in Asien ist Kuoni weniger abhängig vom klassischen Reise­veranstaltergeschäft in Europa als früher. Wenn ein Ferienland weniger nachgefragt wird, sind wir andernorts auf der Welt in einem ganz anderen Bereich aktiv, dessen Geschäfte normal weiter­laufen. Zudem ist Kuoni «asset-light». Das heisst, wir verfügen nur über wenige feste Anlagen wie Flugzeuge oder Hotels, was tiefere Fixkosten zur Folge hat. Und es ermöglicht uns im Alltags­geschäft, schnell auf lokale Ver­änderungen zu reagieren. Weder Griechenland noch Spanien hatten eine touristische Krise und sogar Ägypten erholte sich 2012. Der Tourismus war weitgehend nicht von Demonstrationen betroffen. Die Infrastruktur war intakt. Ich habe jedoch Verständnis, wenn negative Schlagzeilen Konsumenten ver­unsichern, zu reisen. Gerade dann ist es wichtig, einen verlässlichen Reiseveranstalter an seiner Seite zu haben. 2013 bleibt jedoch Stabilität ohne schwerwiegende negative Schlagzeilen für diese Destinationen wichtig. Weniger im Rampenlicht waren die Aktivitäten in Indien, die unter einer sich abschwächenden Wirtschaft und dem Wertverlust der indischen Rupie gegenüber allen wichtigen Währungen in einem sehr wettbewerbsinten­siven Umfeld litten. Diese und weitere Einflüsse hatten negative Auswirkungen auf unsere Geschäfte in diesem wichtigen Wachstumsmarkt.

Die ganze Welt spricht von Internet und Onlinebuchungen. Doch Kuoni hatte 2012 die Schliessung der globalen Hotelbuchungsplattform Octopustravel angekündigt. Ist das nicht ein Widerspruch?

Kuoni ist ein weltweit führender Onlineanbieter, und zwar für Destinationsdienstleistungen für Geschäftspartner, die diese Produkte auf den Datenbanken von GTA kaufen oder weiterver­kaufen. Wir sind in diesem Bereich eines der führenden globalen Technologieunternehmen.
Wir verzeichnen beispielsweise täglich durch­schnittlich 57 Millionen Suchanfragen über unsere Datenbanken. Octopustravel war dagegen eine globale Hotelbuchungsplattform im direkten Kundenkontakt, wie andere auch. Sie verzeichnete zwar ein positives Wachstum, war jedoch nicht profitabel. Um solche weltweiten Buchungsportale im Konsumentenbewusstsein zu halten, müssten viele Millionen Franken Marketinggelder auf­gewendet werden. Für Kuoni ist dies weder mittel- noch langfristig ein rentables Geschäft. Dies war uns bereits bei der Akquisition von GTA bekannt. Octopustravel war damals ein Teil von GTA. Wir konnten in der Zwischenzeit wertvolle Erfah­rungen in diesem Geschäftsfeld sammeln. Dennoch müssen wir die Onlineanteile unserer bekannten Marken wie Kuoni oder Apollo im direkten Kundenkontakt weiter steigern. In Outbound Nordic lag der Anteil 2012 bei 57%. In der Schweiz erzielte die neue Plattform X-Helvetictours.ch mit dynamisch paketierten Pauschalreisen einen erfreulichen Nettoerlöszuwachs. Es ist jedoch ein Trugschluss zu glauben, alle Reisen würden künftig nur online vom Kunden gebucht. Gerade im Premiumbereich mit höheren Margen spielen Retail Shops und die persönliche Beratung eine noch wichtigere Rolle. Buchungsplattformen wie jene von GTA er­möglichen dann den Beratern den weltweiten Zugang zu den Produkten.

Wie zufrieden sind Sie mit der laufenden Integration des akquirierten Destinationsdienstleisters GTA in die Kuoni-Gruppe?

Fast zwei Jahre nach dem Kauf von GTA, unserer grössten Akquisition, verläuft die Integration planmässig. Wir erzielen auch die geplanten Synergien. Die Gruppenreisenaktivitäten wurden zusammengeführt und treten global einheitlich unter der Marke «Kuoni Group Travel Experts» auf. Die Geschäfte unserer bisherigen Hoteldatenbank «Kuoni Connect» wurden bei GTA integriert. Die Division GTS verzeichnete 2012 ein organisches Wachstum von 11%. Ohne einen professionellen und plan­mässigen Integrationsprozess wäre dies kaum möglich gewesen.

Der Visa-Dienstleister VFS Global ist 2012 sehr stark gewachsen, und doch waren die Erträge geringer. Wie erklären Sie dies Aktionären und Investoren?

VFS Global ist eine grosse Erfolgsstory. Seit der Gründung 2001 wurden 56 Mio. Visa-Anträge bearbeitet. Alleine 2012 waren es 14.6 Mio. Anträge. 2012 erhielt VFS Global den Zuschlag für den grössten Einzelauftrag, das Königreich Saudi Arabien zur Bearbeitung von Visa-Anträgen zu unterstützen. VFS Global ist technologisch sehr modern ausgerüstet und besitzt in Bezug auf Qualität, Sicherheit und Datenschutz einen her­vorragenden Ruf. Wachstum führt auch zu höheren Kosten in der Investitionsphase. Dies ist vor allem auf die Ausweitung der globalen Präsenz zurückzuführen. Alleine 2012 wurden 282 neue Visa Antrag Center in 41 Ländern in Betrieb ge­nommen. Einnahmen aus margenstarken Zusatzdienstleistungen folgen erfahrungsgemäss, wenn sich Geschäfte etabliert haben. Zudem sind die Margen neuer Aufträge von Regierungen in der ersten Phase üblicherweise tiefer, da viele Vergaben an den Anbieter mit dem tiefsten
Preis gehen müssen. Aktionäre und Investoren beurteilen die Ergebnisse von VFS Global darum mittel- und längerfristig, denn die Zukunftsaussichten sind positiv.

Sie betonten in den letzten Jahren stets die Wichtigkeit der Märkte Asiens für Kuoni. Hat sich Ihre Einschätzung 2012 weiter bestätigt?

40% unserer Nettoerlöse wurden 2012 ausserhalb von Europa erwirtschaftet. Über ein Viertel erzielten wir in den wachsenden Quellmärkten der Region Asien/Pazifik und dem Mittleren Osten. Die Division GTS, die stark in diesen Wachstumsmärkten tätig ist, erwirtschaftete über die Hälfte der Nettoerlöse in diesen Regionen. In der Division Emerging Markets & Specialists waren es über 30%.

Wo sehen Sie für 2013 Ihre Hauptaufgaben als CEO von Kuoni?

Wir verfolgen das Ziel, aus nachhaltigem Wachstum Gewinne und einen positiven Cashflow im globalen Reisemarkt zu erzielen. Auch 2013 setze ich mich dafür ein. Wir wollen unsere mehrjährige Transformation weitgehend abschliessen, in welcher sich Kuoni von einem klassischen Reise­veranstalter hin zu einem führenden, globalen, breit abgestützten Reisedienstleister gewandelt hat. In diesem Sinne werden wir weiterhin in Wachstumsfelder investieren, Massnahmen zur Reduzierung von Verlusten treffen und Innovationen fördern.

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